Urologiezentrum Wien – Univ. Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat

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Harninkontinenz

Unter Harninkontinenz versteht man den unkontrollierten Harnverlust außerhalb der Toilette.

Frauen sind hiervon weit häufiger als Männer betroffen.

Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz:

  • Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Hierbei kommt es zum ungewollten Harnabgang durch beispielsweise Lachen, Husten, Niesen oder Heben von schweren Gegenständen. Die Ursache ist meist eine Schwächung des Blasenschließmuskels.
  • Dranginkontinenz: Die Dranginkontinenz zeichnet sich durch einen plötzlich auftretenden, sehr starken, nicht beherrschbaren Harndrang mit anschließendem unwillkürlichen Harnverlust aus.
  • Überlaufinkontinenz: Aus einer übervollen Blase, die nicht entleert werden kann, kommt es immer wieder zum Harnverlust in kleinen Portionen.
  • Funktionelle Inkontinenz: Unwillkürlicher Harnabgang bei Erkrankungen, welche den Gang auf die Toilette erschweren.
  • Mischformen

Harninkontinenz ist keine Erkrankung, sondern eine Symptomatik, hinter welcher sich verschiedene Ursachen verbergen können. So können verschiedene Getränke wie Alkoholika, koffeinhaltige und mit Kohlensäure versetzte Getränke, künstliche Süßstoffe, Schokolade, gewürzreiche, zuckerreiche oder säurereiche Speisen oder Nahrungsmittel, bestimmte Medikamente oder hohe Dosen an Vitamin C, stimulierend auf die Blase wirken und das Urinvolumen erhöhen. Dies ist bei gelegentlicher Harninkontinenz der Fall.

Eine beständige Harninkontinenz kann als Resultat einer Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, des zunehmenden Alters, der Menopause, Hysterektomien, Vergrößerung der Prostata, Prostatakrebs, einer Versperrung durch einen Tumor im Harntraktsystem oder infolge einer neurologischen Erkrankung wie Multiple Sklerose oder Parkinson entstehen.

Risikofaktoren für eine Harninkontinenz sind: Weibliches Geschlecht, zunehmendes Alter, Übergewicht, Rauchen, bestehende Harninkontinenz in der Familie, neurologische Erkrankungen.

Um eine Harnwegsinfektion diagnostizieren zu können, muss als erstes abgeklärt werden, um welche Form es sich handelt, denn danach richten sich die Therapiemaßnahmen.

Zur Diagnose werden herangezogen:

  • Harnuntersuchung um den Urinstatus zu beurteilen.
  • Führen eines „Blasen-Tagebuches“, in dem die Menge der eingenommenen Flüssigkeiten, der Zeitpunkt des Urinierens sowie die Menge des ausgeschiedenen Harns, die Häufigkeiten der Inkontinenz sowie das Bestehen eines starken Harndrangs, sorgfältig zu dokumentieren sind.
  • Restharnbestimmung: Entleerung der Harnblase durch Wasserlassen in einen Container und anschließende Kontrolle der Harnblase durch den Urologen. Bleibt eine große Mengen in der Blase zurück, so könnte dies auf einen pathologischen Verschluss im Harntrakt oder eine nervliche bis muskulöse Erkrankung der Blase hinweisen.

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit von der Form der Harninkontinenz.

So können durch Verhaltensmaßnahmen wie Blasentraining, Urinieren mit kurzzeitiger Unterbrechung und anschließendem Weiterurinieren, gezielte Zeiten um die Toilette aufzusuchen anstatt auf den einsetzenden Harndrang zu warten (Toilettentraining), Meiden von blasenstimulierenden Substanzen (Koffein, Alkohol,…), gute Erfolge erzielen.

Weiteres lässt sich durch gezieltes Beckenbodentraining die Muskulatur stärken, welche den Harnabgang kontrolliert. Voraussetzung für einen guten Erfolg ist jedoch, dass dieses Training regelmäßig durchgeführt wird.

Eine weitere Methode bietet die elektrische Stimulation der Beckenbodenmuskulatur. Dies erfordert jedoch eine große Anzahl an Behandlungen welche sich im Regelfall über viele Monate ziehen können.

Medikamente zur Behandlung der Harninkontinenz sind Anticholinergika, Mirabegron, Alpha-Blocker, östrogenhältige Vaginalcremen oder Zäpfchen.

Weiters können bestimmte Hilfsmittel wie Hygieneeinlagen gegen Blasenschwäche, Windelhosen, oder auch sogenannte Pessare und Kondomurinale Abhilfe gegen unerwünschten Harnverlust liefern.

Auch die Injektion von synthetischen Materialen in das Gewebe um die Harnröhre hilft, dass die Harnröhre verschlossen bleibt und so kein Urin unwillkürlich austreten kann.

Haben andere Maßnahmen keine Erfolge erzielt, so kann auch Botulinum Toxin Typ A (Botox) in die Blasenmuskulatur injiziert werden, weiteres können mittels eines sakralen Nervenstimulators unwillkürliche Harnabgänge unterbunden werden.

Operative Maßnahmen:

  • Anlegen einer Harnröhrenschlinge
  • Suspensionsplastik
  • Vaginalbänder
  • Anlegen eines künstlichen Schließmuskels
  • Katheter